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Apothekenreform untergräbt die hausärztliche Primärversorgung

30. Juni 2026

Patientensicherheit wird gefährdet

Apotheken sind zuständig für die Sicherstellung der Medikamentenversorgung und beraten Kunden und Kundinnen dazu. Doch die neue Apothekenreform greift tief in ärztliche Aufgaben ein: Impfungen, Schnelltests, Blutentnahmen, Präventionsleistungen und unter bestimmten Bedingungen die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne ärztliches Rezept. 

„Diese Verschiebung der Versorgungsstruktur akzeptieren wir nicht“, sagt Elke Cremer, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Nordrhein. „Apotheken sind lokal wichtige Partner in der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln, aber sie dürfen nicht mit Aufgaben betraut werden, für die sie nicht ausgebildet sind. Das gefährdet die Qualität der Patientenversorgung und ist verantwortungslos.“

Therapieempfehlungen erfordern das ärztliche Gespräch und die ärztliche Untersuchung. Zusammen mit Laborwerten und der Kenntnis über das Gesamtbild eines Patienten führt dieser Prozess zu einer qualifizierten ärztlich gestellten Diagnose. Ab dem 01.07.2026 dürfen Apotheken eigenständig medizinische Dienstleistungen anbieten. „Wer diese Grenze überschreitet, betreibt keine pharmazeutische Beratung  mehr, sondern Therapie ohne Diagnose“, so Cremer.

Patienten und Patientinnen, die morgens in der Apotheke eine subjektive Einschätzung erhalten und nachmittags in der ärztlichen Praxis eine faktenbasierte medizinische Einordnung erhalten wollen, werden verunsichert. „Das entlastet die ärztlichen Praxen nicht“, kritisiert Dr. Manfred lmbert, stellvertretender Vorsitzender. „Hausärzte und Hausärztinnen müssen die Mutmaßungen der Apotheker und Apothekerinnen ärztlich qualifiziert bewerten und korrigieren. Das ist Mehrarbeit, die uns die ohnehin knappe Patientenzeit stiehlt.“

„Apotheker und Apothekerinnen sind weder darin ausgebildet, Patienten und Patientinnen zu untersuchen noch zu diagnostizieren“, betont Dr. lmbert. In der Apotheke droht das Risiko falscher Behandlung. „Wir Hausärztinnen und Hausärzte sagen klar: Das geht so nicht!“

Beide Vorsitzenden sind sicher, dass Patientinnen und Patienten diese Angebote ohne Grundkenntnisse von Untersuchung und Diagnostik nicht annehmen werden. „Hausarztmedizin bedeutet: Wir kennen unsere Patienten mit ihrer Vorgeschichte, den Blutwerten, die Familie. Das können telemedizinische Angebote nicht ersetzen. Die Patientenversorgung in der Fläche wird sich verschlechtern.“

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