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Mehr Misstrauen geht nicht

03. Juli 2026

Hausärztinnen und Hausärzte verlieren Vertrauen in die Politik

Mehr Misstrauen gegenüber Patientinnen und Patienten und ihren Ärztinnen und Ärzten ist kaum vorstellbar. Die Regierungskoalition plant, die Krankschreibung strenger zu regeln: Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) soll abgeschafft, die Vorlage der AU ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend werden. „Das ist absurd und eine Katastrophe für Patientinnen und Patienten und die hausärztlichen Praxen. Aber das ist typisch für das bürokratische Deutschland“, kritisiert Elke Cremer, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein. Patientinnen und Patienten werden künftig die brechend vollen Wartezimmer besonders in der Infektzeit überfüllen – nur wegen administrativer Vorgaben. „Die Krankheitstage werden dadurch nicht weniger. Wer das glaubt, ignoriert die Realität. Unsere Praxen werden überlaufen von Menschen, die keine spezifische Behandlung benötigen und sich besser zu Hause auskurieren.“

Trotz der breiten Anerkennung der telefonischen Krankschreibung als wichtiges Instrument in der Primärversorgung soll sie jetzt abgeschafft werden. „Das ist keine sachliche Entscheidung. Studien der Krankenkassen zeigen klar, dass die Telefon-AU nicht zu mehr Krankschreibungen geführt hat“, erklärt Cremer. Auch die Pflicht, die AU ab dem ersten Tag vorzulegen, stößt auf Widerstand. Ein Beispiel: Wer sich in der Hitzewelle durch eine Büro-Klimaanlage erkältet, ist nach ein bis zwei Tagen Bettruhe wieder fit – müsste aber künftig erst im überfüllten Wartezimmer sitzen. „Das wird viele Menschen ohne medizinischen Bedarf in die Praxen treiben“, warnt Cremer. „Die wirklich Kranken und chronisch Erkrankten bleiben auf der Strecke.“

„Diese Regelungen zielen auf Kontrolle“, betont Cremer. „Das zeigt auch die geplante harte Bestrafung für angeblich ‚unrichtige‘ Krankschreibungen. Damit unterstellt man uns, Patienten leichtfertig und ohne medizinische Grundlage krankzuschreiben. Das weisen wir entschieden zurück!“ Misstrauen ist keine Grundlage für ein modernes Gesundheitssystem. „Gesundheitsministerin Warken fordert von uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, sagt Cremer. „Doch die Regierung handelt genau gegenteilig. Kann man den politischen Entscheidern in der Gesundheitsversorgung überhaupt noch vertrauen?“

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