Entschlossenes Handeln ist gefordert
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein e.V. solidarisiert sich mit den Medizinstudierenden, die über sexualisierte Übergriffe beim Deutschen Ärztetag berichtet haben. Das Thema darf nicht tabuisiert werden – Vorfälle müssen klar benannt, offen debattiert und konsequent aufgeklärt werden.
„Sexualisierte Gewalt ist kein Randproblem und kein Einzelfall. Sie ist eine strukturelle Herausforderung, der wir uns als Berufsgruppe und als Gesellschaft stellen müssen – ohne Wenn und Aber“, erklärt die Vorsitzende des Hausärztinnen und Hausärzteverbandes Nordrhein, Elke Cremer. „Wer Vorfälle zur Sprache bringt, verdient Respekt, Schutz und Unterstützung – keine Relativierung.“
Immer wieder kommt es zu verbalen und körperlichen Übergriffen, die inakzeptabel sind. 73,5 Prozent der Studierenden erleben im Praktischen Jahr sexualisierte Gewalt, berichteten die Medizinstudierenden. Grenzüberschreitungen am Arbeitsplatz, bei Veranstaltungen und im Alltag – ob verbal oder körperlich – sind in keiner Form akzeptabel. „Das ist kein Appell“, betont Cremer. „Wer sexualisierte Gewalt erlebt oder beobachtet, soll wissen: Sie sind nicht allein. Schweigen schützt nur Täterinnen und Täter – nicht die Betroffenen.“
Hinweise auf Übergriffe erfordern eine lückenlose Aufklärung und entschlossenes Handeln, Strukturen müssen kritisch geprüft und notwendige Veränderungen eingeleitet werden. Das gilt für alle Bereiche im Gesundheitswesen, am Arbeitsplatz genauso wie bei Veranstaltungen und in den Gremien der Selbstverwaltung und in unserer Gesellschaft insgesamt. „Wir brauchen klare Verhaltenskodizes und verbindliche Schutzkonzepte“, erklärt die Vorsitzende. Außerdem schlägt der Verband vor, unabhängige Melde- und Beschwerdestellen einzurichten, bei denen die Betroffenen auch Unterstützung und rechtliche Beratung erhalten.