Wachstumsabschlag gestrichen, aber spürbare Kürzungen bleiben

Erfolg für die hausärztliche Versorgung in Nordrhein
Aufatmen bei Hausärztinnen und Hausärzten in Nordrhein. Der Bundestag hat heute Nachbesserungen am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen und die sogenannte Fixkostendegression für hausärztliche Praxen sowie für Kinder- und Jugendarztpraxen fällt weg. Diese Regelung hätte ab 2027 die Vergütung gesenkt, sobald Praxen mehr Patientinnen und Patienten versorgen. Das hätte zu massiven Einschnitten in der hausärztlichen Versorgung gesorgt, sowohl in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) als auch in der entbudgetierten Regelversorgung.
„Diese Entscheidung ist ein wichtiger Erfolg für die Zukunftsfähigkeit der hausärztlichen Versorgung“, erklärt die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein, Elke Cremer. „Die Politik hat zugehört. Den Praxen wäre ein Abschlag dafür abgezogen worden, dass sie mehr Menschen versorgen. Und das in einer Region, in der hausärztliche Kapazitäten jeden Tag knapper werden. Das hätte die Versorgung nicht stabilisiert, sondern gefährdet“.
Die Lage im Rheinland zeigt, warum die Korrektur notwendig war. In Nordrhein sind aktuell rund 420 Hausarztsitze unbesetzt. In ganz Nordrhein-Westfalen sind fast 40 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte älter als 60 Jahre. Bis 2035 werden landesweit ca.1.700 Hausärztinnen und Hausärzten altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden. „Gerade weil Praxen keine Nachfolge finden und schießen müssen, übernehmen die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen immer mehr Patientinnen und Patienten. Genau diese Praxen hätte der Wachstumsabschlag besonders bestraft. Das betrifft auch die Teampraxen und HÄPPI-Praxen, die heute schon die Primärversorgung von morgen aufbauen“, so Cremer.
In der Primärversorgung ist die Hausarztpraxis die erste und schnellste Anlaufstelle. In der Regel bekommen Patientinnen und Patienten dort bei akuten Erkrankungen Hilfe.
In Nordrhein-Westfalen sind rund zwei Millionen Versicherte in die HZV eingeschrieben, mehr als 3.100 Praxen nehmen teil. „Unsere Patientinnen und Patienten und Praxisteams haben sich in den vergangenen Monaten mit über 450.000 E-Mails an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten an unserer Kampagne www.hausarztpraxen-retten.de beteiligt und uns unterstützt. Ihnen gilt unser Dank. Sie alle sind Teil des Erfolges,“ betont Elke Cremer.
