Extreme Hitze: Hausärztinnen und Hausärzte fordern verbindliche Schutzkonzepte
Extreme Hitze: Hausärztinnen und Hausärzte fordern verbindliche Schutzkonzepte
3.150 hitzebedingte Sterbefälle in NRW – Hausarztpraxen müssen in kommunale Hitzeaktionspläne eingebunden werden
Der Vorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein begrüßt die Maßnahmen des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen (MAGS) nach der extremen Hitze im Sommer 2026. Laut MAGS starben in Nordrhein-Westfalen schätzungsweise 3.150 Menschen hitzebedingt, bundesweit waren es bis Mitte August etwa 15.800. Die außergewöhnliche Hitzewelle Ende Juni mit elf Tagen extremer Temperaturen belastete vor allem ältere, chronisch kranke Menschen, Pflegebedürftige, Kleinkinder und Schwangere. Auch Hausarztpraxen verzeichneten mehr Patienten mit hitzebedingten Beschwerden.
Anfang August tauschten sich im Zentralen Netzwerk für gesundheitsbezogenen Hitzeschutz NRW Vertreterinnen und Vertreter aus Rettungsdiensten, Notaufnahmen, Pflege und Krankenhäusern über ihre Erfahrungen während der Extremhitze aus. Dabei wurden die enormen Belastungen für Personal und Versorgungsstrukturen deutlich, da auch die Beschäftigten der Hitze ausgesetzt waren. Dr. Ralph Krolewski, Beauftragter für Klimaschutz, vertritt den Hausärztinnen- und Hausärzteverband im Netzwerk und im Klimaanpassungsbeirat der Landesregierung.
„Die Erfahrungen dieses Sommers übersteigen bisherige Planungen. Mehrtägige Extremhitze stellt eine andere Gefahr dar als ein einzelner heißer Tag. Gebäude heizen sich auf und werden für gefährdete Menschen zu Hitzefallen. Diese Erkenntnisse müssen nun zu verbindlichen Schutzmaßnahmen führen“, erklärt Dr. Krolewski.
Der Verband begrüßt die vom MAGS angekündigten Maßnahmen für besseren Hitzeschutz. Investitionen in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und kommunalen Hitzeschutz sind wichtig. Entscheidend ist, auch die ambulante Versorgung und Betreuungsstrukturen vor Ort einzubeziehen. Kommunale Hitzeaktionspläne sollten kühle Zufluchtsorte und Betreuungsangebote für gefährdete Menschen umfassen. Frankreich zeigt, wie solche Strukturen organisiert werden können: Kommunen erfassen und betreuen gefährdete Menschen gezielt. Solche Strukturen sollten auch in Deutschland entwickelt werden.
„Hausärztinnen und Hausärzte kennen die besonders gefährdeten Patienten. Dieses Wissen muss in kommunale Hitzeaktionspläne einfließen“, sagt Vorsitzende Elke Cremer. „Unser Verband hat 2024 Handlungsfelder für Klimaschutz in der wohnortnahen Versorgung beschrieben. Beim Hausärztetag in Berlin werden wir die systematische Einbindung der Hausarztpraxen in kommunale Anpassungskonzepte vorschlagen.“
Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden, benötigen besonderen Schutz. Überhitzte Wohnungen können bei Bettlägerigkeit, hohem Alter und chronischen Erkrankungen schnell zur Gefahr werden. Wo technische Kühlung fehlt, müssen Angehörige, Bezugspersonen oder Pflegedienste häufiger kontrollieren und geeignete Kühlmaßnahmen ergreifen. Solche Betreuungskonzepte müssen entwickelt und verlässlich finanziert werden.
Wissenschaftliche Modelle zeigen ein stark steigendes Gesundheitsrisiko durch Erderhitzung. Eine Studie errechnete für 2014 bis 2023 rund 48.000 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland. Ohne Anpassungsmaßnahmen könnte die Sterblichkeit bis Ende des Jahrhunderts erheblich steigen. Frühzeitige Schutzmaßnahmen sind entscheidend.
„Hitzeschutz ist gesundheitliche Gefahrenabwehr und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betont Dr. Krolewski. „Wir müssen Kommunen, Pflege, Rettungsdienste und die ambulante medizinische Versorgung auf länger anhaltende Extremhitze vorbereiten. Hausarztpraxen müssen dabei verbindlich einbezogen werden. Gleichzeitig müssen wir die Ursache angehen und die Treibhausgasemissionen in allen Sektoren drastisch reduzieren.“
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sieht in den angekündigten Maßnahmen des Landes einen wichtigen Schritt. Die Erfahrungen des Sommers 2026 müssen dauerhaft in Hitzeaktionspläne, Schutz- und Betreuungskonzepte für besonders gefährdete Menschen und eine klimaresiliente Gesundheitsversorgung überführt werden.