Hausärztliche Steuerung muss medizinischer Standard sein
Hausärztliche Steuerung muss medizinischer Standard sein
Hausärztliche Praxen sichern Versorgungsqualität und Koordination
Die hausärztliche Steuerung von Patientinnen und Patienten muss medizinischer Standard sein. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein fordert Gesetzgeber, Selbstverwaltung und Krankenkassen auf, die hausärztlichen Praxen als koordinierende und qualitätssichernde Instanz in der ambulanten Primärversorgung finanziell und strukturell zu stärken. „Hausärztliche Praxen sind die zentrale Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten und die zentrale Schnittstelle zu anderen Gesundheitsberufen“, erklärt die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein. „In der aktuellen politischen Diskussion wird dies oft betont. Jetzt müssen Gesetzgeber, Krankenkassen und Selbstverwaltung den Worten auch Taten folgen lassen. Patientensteuerung durch hausärztliche Praxen muss verbindlich gesichert werden.“
Patientinnen und Patienten benötigen eine kontinuierliche, koordinierte Versorgung und hausärztliche Begleitung, die individuelle Behandlungsziele priorisiert, Polypharmazie vermeidet, Schnittstellen koordiniert und die Versorgung an Lebenssituationen, Belastbarkeit und Präferenzen der Patientinnen und Patienten ausrichtet. „Wir brauchen ein Gesamtversorgungskonzept mit der hausärztlichen Praxis als ärztliches Steuerungszentrum“, erklärt die Vorsitzende. Einzelkontakte für Arzneimitteltherapien, pflegerische und soziale Unterstützungsbedarfe, fachärztliche Empfehlungen und Krankenhausbehandlungen verursachen unnötige Kosten, binden Ressourcen und verbessern die individuelle Versorgung oft nicht.
Das Betreten einer Apotheke macht aus der Apotheke kein Primärversorgungszentrum und eine digitale verpflichtende Ersteinschätzung via App ist ungeeignet für eine qualitätsgesicherte Patientensteuerung. Die hausärztliche Praxis ist der geeignete Ort zur Patientensteuerung. Das muss auch künftig so sein. Sie kennt Krankengeschichte, familiäre und soziale Rahmenbedingungen sowie die Versorgungspfade ihrer Patientinnen und Patienten. Sie kann andere Gesundheitsberufe sinnvoll einbinden, deren Beiträge koordinieren und eine leitliniengerechte Behandlung qualitätsgesichert gestalten. „Genau das zeichnet Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin aus“, betont die Vorsitzende. „Hausärztinnen und Hausärzte sind besonders für Patientinnen und Patienten mit komplexen Komorbiditäten die zentralen, unverzichtbaren und vertrauenswürdigen Gesundheitspartner und -partnerinnen.“
Ein starkes hausärztliches Primärversorgungssystem braucht verbindliche Steuerungsstrukturen, eine angemessene extrabudgetäre Vergütung, praxistaugliche Digitalisierung und multiprofessionelle Zusammenarbeit unter hausärztlicher Verantwortung. Nur so lassen sich Qualität, Patientensicherheit, Wirtschaftlichkeit und Kontinuität der Versorgung für komplex erkrankte Patientinnen und Patienten dauerhaft sichern.